Zurück zur Startseite

Rea Garvey im Interview

Femlife: Steigen wir doch gleich mit dem Titel Ihres neuen Albums ein: Can’t Stand The Silence. Ist es wahr, dass Sie Stille nicht ausstehen können?

Rea Garvey: Stille ist nicht so wirklich mein Ding, ich muss ständig in Bewegung sein. Der Titel beschreibt die Situation, in der ich mich mit dem Release von Can’t Stand The Silence befinde. Der Übergang von Altem zu Neuem, ein Risiko einzugehen und an sich selbst zu glauben. Ich stelle mich gerne diesem Kampf und Ruhe ist etwas, das ich im Moment nicht unbedingt brauche. Ich habe den Dalai Lama getroffen, der 4 bis 5 Stunden pro Tag meditiert. Ihm gönne ich das, dass er in sich gehen und Antworten für uns alle suchen kann. Ich glaube, das ist wichtig. Aber für mich wäre das nichts.

Femlife: Dennoch hat Ihr Album Can’t Stand The Silence auch seine ruhigen Momente, in denen Sie darauf eingehen, was Ihnen Kraft gegeben hat. Wird zum Beispiel in dem Song Colour Me In eine bestimmte Person angesprochen?

Rea Garvey
: Ich glaube, dass jeder Mensch auf eine schöne Art von anderen “eingefärbt” wird. Ich mag es, wie meine Familie ihre Farbe in mich einbringt und Colour Me In spielt eben mit dieser Idee.

Familienmensch Rea Garvey

Rea Garvey wuchs in Irland mit sieben Schwestern auf.

Femlife: A propos Familie: Sie sind mit sieben Schwestern aufgewachsen. Wie hat Sie das geprägt?

Rea Garvey: Als Teenager auf dem Land ist man in Irland mehr oder weniger ahnungslos. Aber Kinder unterscheiden nicht zwischen Geschlechtern und dadurch habe ich Respekt vor Frauen gelernt. Der Satz “Du weißt schon, sie ist eben eine Frau” hatte für mich nie eine Bedeutung. Ich habe die Beziehungen meiner Schwestern mitbekommen, bevor ich selbst eine Beziehung hatte und auch in Sachen Mode wurde mir gesagt, was geht und was nicht. Weiße Socken? Niemals, wieder rein, umziehen! Man ist zwar immer füreinander da, aber genauso gibt es Momente, in denen man keinen Bock auf die anderen hat.

Femlife: Auf dem neuen Album ist auch ein Lied mit dem Titel My Child vertreten. Auch Sie haben eine Tochter. Was ist für Sie ist das Wichtigste, das man seinen Kindern mitgeben kann?

Rea Garvey: Ich finde Selbstbewusstsein ist wahnsinnig wichtig. Ich habe mich auch gefragt, was meine Eltern mir mitgegeben haben. Als Teenager stand ich öfter vor der Wahl: Ob ich Drogen nehme oder nicht. Oder ob ich Alkohol nehme oder nicht, beziehungsweise ob ich mehr Alkohol nehme oder eben nicht.

Die Stärke, automatisch wieder den richtigen Weg zu finden und die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn man einmal falsch abgebogen ist – das ist das Wichtigste. Ich habe genug Fehler gemacht, aber im Großen und Ganzen bin ich schon gut durchgekommen. Mehr kann man sich nicht wünschen, als seinem Kind die Stärke zu geben, die richtigen  Entscheidungen aus dem richtigen Grund zu treffen.

Der Weg nach oben

Femlife: Sie sind 1998 nach Deutschland gekommen. Warum sind Sie ausgerechnet in Deutschland geblieben?

Rea Garvey: Ich war schon früher auf Tournee in Deutschland und mir hat die Liebe des Publikums zur Musik sehr gefallen. Damals wusste ich nicht, dass ich so lange hier sein würde und so viel Erfolg haben würde. Aber ich wusste, dass ich mein Leben ändern musste und deswegen bin ich los. Ich mache lieber als zu reden.

Femlife: Ihr Werdegang liest sich schon fast wie aus dem Bilderbuch: Aus Irland gekommen, über einen Flyer eine Band gesucht und gegründet, Erfolg gehabt. Das war am Anfang bestimmt nicht so einfach, wie es sich jetzt anhört, oder?

Rea Garvey: Ich habe natürlich dafür gearbeitet und gekämpft. Die ersten Jahre habe ich mich in Kneipen durchgeschlagen und Konzerte auf Beerdigungen wie Hochzeiten gespielt um die Miete zu bezahlen. Ich war auch nicht immer von einem späteren Erfolg überzeugt, aber ich wollte es probieren. Mir war klar, dass ich nicht den gleichen Weg wie all meine Freunde einschlagen konnte. Job, Haus, Frau, diese Reihenfolge war einfach nichts für mich.

Ich bin Musiker und liebe es, Musik zu machen, auch wenn nur 5 Leute zuhören wollen. Und von diesen 5 ist einer dabei, der dich zu einem Kumpel mitnimmt und dann spielt du für 10 Leute. Sobald man etwas hat, das die Leute mögen, ist es eigentlich ein Selbstläufer. Und auf einmal steht man da und denkt: Wow. Wie ist das passiert?

Femlife: Passiert Ihnen das auch heute noch?

Rea Garvey: Es ist nicht selbstverständlich für mich, in schönen Hotels zu schlafen und in den Flieger zu steigen, wieder abgeholt zu werden etc. Auch wenn es mal zur Routine wird vergesse ich nie, dass das ein Luxus ist, den ich mir nie habe träumen lassen.

Femlife: Ihre Songs sind auf zwei Soundtracks von Til-Schweiger-Filmen vertreten und auch mit Paul van Dyk haben Sie gemeinsame Sache gemacht. Arbeiten Sie öfter mit den beiden zusammen?

Rea Garvey: Paul und ich sind gute Freunde. Wir sind uns das erste Mal bei der Echo-Verleihung begegnet. Auch sein Remix ist der Knaller.

Til kenne ich schon seit ein paar Jahren, er hat mich damals gefragt, ob ich für Barfuss etwas machen könnte. Ich habe gesagt ja, gerne. Er ist ein spannender Typ, ich gehe immer zu ihm wenn ich neue Musik habe, so 20 Lieder. Er gibt ein gutes Feedback und ich weiß, dass ich ihm vertrauen kann, dass er nicht nur irgendetwas sagt, sondern was er denkt. Dazu trinken wir dann eine Flasche Wein und haben einen schönen Abend.

Femlife: Ebenfalls auf dem Soundtrack von Barfuss haben wir das großartige Hallelujah entdeckt. Kommt man als Sänger überhaupt an diesem Lied vorbei?

Rea Garvey: Es ist schon witzig, wie viele Leute dieses Lied gesungen haben. Besonders, wenn man dann im Internet auf ein “Cover von Rea Garveys Hallelujah” stößt. Leute, das Original ist von Leonard Cohen! Aber ich bin auf meine Version stolz, sonst hätte ich sie nicht herausgegeben.

Rea Garvey bei “The Voice of Germany”

Rea Garvey an der Gitarre.

Femlife: Sie sind bei The Voice of Germany Coach. Auf was dürfen sich die Zuschauer freuen?

Rea Garvey
: Es ist super, wir sind gerade mittendrin und haben schon die ersten paar Shows gedreht. Die anderen Castingshows finde ich alle daneben. Besonders, wie mit den Leuten umgegangen wird. Viele mögen sagen, dass diese Leute danach verlangen, wenn sie zu einer Fernsehshow  gehen. Das stimmt nicht. Sie haben eine Meinung verdient und nicht, dass ihr Aussehen kritisiert wird. Mit den anderen Coaches Xavier (Naidoo), Nena und The Bosshoss wollen wir statt nur zu kritisieren etwas Konstruktives machen. Ich finde es ist eine gute Show und ich habe lange überlegt, ob ich mitmache.

Femlife: Aber der Reiz, etwas zu verändern, war dann doch größer?

Rea Garvey: Ich hatte einfach keinen Bock mehr, dass man im Fernsehen nichts mehr anschauen kann. Er bleibt eigentlich immer aus. Lieber schaue ich eine DVD. Und ich will mal wieder eine Familienshow ansehen können. The Voice of Germany ist eine Musikshow und keine Castingshow und wir haben den Anspruch, den Leuten, die zu uns kommen, durch unser Coaching zu helfen.

Femlife: Gleich ist unsere Zeit um, was möchten Sie noch loswerden?

Rea Garvey: Im Oktober gehe ich auf Tour, im Dezember bin ich mit Alive and Swingin’ unterwegs, die Single ist schon draußen und das Album kommt am 30.09.

Besser hätten wir es nicht zusammenfassen können und bedanken uns bei Rea Garvey für das sehr nette und offene Interview.

19/10/2012 / Sigrun Weinhardt

Folge femlife.de auf allen Kanälen
Shopping

Kate Bock

Echte Helden: The Overtones im Interview

Echte Helden: The Overtones im Interview

Wir brauchen kein Geld um zu feiern!