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Mit Achtsamkeit gegen den Jobstress

In der Arbeitswelt wird alles immer hektischer und schneller. Mit dem Smartphone wird ständige Erreichbarkeit gefordert und auf eine Email muss sofort geantwortet werden. Oft ist es schwierig, komplett aus dem System auszusteigen. Es ist jedoch möglich, einen Puffer zwischen sich und den Stress im Job zu schieben. Das Zauberwort heißt Achtsamkeit. Dr. Regina Erbach unterrichtet Mindfulness Based Stress Reduction und verrät femlife, wie man mit Achtsamkeit den Jobstress besser bewältigen kann.

Bewertungen erzeugen emotionalen Stress

Femlife.de: Frau Dr. Erbach, was ist Achtsamkeit?

Dr. Regina Erbach lehrt Berufstätigen "Mindfulness Based Stress Reduction"Dr. Regina Erbach lehrt Berufstätigen „Mindfulness Based Stress Reduction“

Dr. Regine Erbach: Achtsamkeit ist nichts esoterisches, sondern bezeichnet eine kontinuierliche, fließende und wache Aufmerksamkeit für das unmittelbare Erleben des gegenwärtigen Moments.

In den meisten Momenten grübelt man jedoch über die Vergangenheit und Zukunft nach, ohne den gegenwärtigen Augenblick wirklich wahrzunehmen. Doch nur in der Gegenwart können wir tatsächlich etwas tun und etwas verändern!  Mit Achtsamkeit nehmen wir  Körperempfindungen, Gedanken und Gefühle ganz direkt wahr, ohne sie gleich mit Bewertungen wie gut/schlecht, schön/hässlich zu verbinden.

Dadurch lernen wir uns selbst und unsere automatischen Reaktionsmuster immer besser kennen, und können diese auch loslassen. Mit der Zeit eröffnen sich neue Perspektiven und neue Handlungsspielräume, und wir können in Stresssituationen viel gelassener reagieren.

Jobprobleme Lösen – mit Achtsamkeit

Femlife.de: Wie lösen Ihre Kursteilnehmer Jobprobleme mit Achtsamkeit?

Dr. Regine Erbach: Eine Kursteilnehmerin von mir arbeitet zum Beispiel im Verkauf, wo man immer freundlich sein muss. Sie hatte einen furchtbar nervigen Kunden, den hätte sie am liebsten geohrfeigt. Normalerweise wäre ihr Tag verdorben gewesen.

Durch die Achtsamkeitspraxis hat sie erst einmal den Moment wahrgenommen und ihre Gedanken, Gefühle und körperlichen Reaktionen gespürt. Sie hat wahrgenommen, okay, ich denke, der nervt mich jetzt, das halte ich nicht aus, ich spüre Druck auf meinem Brustkorb und ich bin wütend. Dieser Verweilmoment ist der Puffer. Dann hat sie sich mit diesem kleinen Abstand gesagt: ich konzentriere mich für zwei, drei Atemzüge ganz auf meinen Atem und lasse die Wut wie eine Welle über mich hinweg gehen; und der Kunde nervt mich ja jetzt nicht persönlich. So konnte sie den Tag gelassener fortsetzen.

Die Welt mit allen Sinnen wahrnehmen

Femlife.de: Wie kann man Achtsamkeit üben?

Eine Blume am Wegesrand bewusst wahrzunehmen, schult die Achtsamkeit.Eine Blume am Wegesrand bewusst wahrzunehmen, schult die Achtsamkeit.

Dr. Regine Erbach: Im Mindfulness Based Stress Reduction Kurs von Kabat Zinn, der die modernste Stressforschung mit Achtsamkeit kombiniert, werden Körperwahrnehmungsübungen, einfache Yoga-Übungen und Meditation im Sitzen und Gehen geübt. Ein entspannter Körper bringt automatisch einen akzeptierenden Geist und umgekehrt. Dazu kommen praktische Übungsanleitungen für den Alltag, um die Achtsamkeit zu schulen.

Zum Beispiel kann man sich Punkte im Alltag setzen: Eine Woche kann man bewusst Treppen steigen, die andere Woche bewusst duschen oder bewusst Mittagessen. Dabei hilft es, mit allen Sinnen wahrzunehmen. Wie fühlt sich mein Fuß auf der Treppe an? Riecht es nach Bohnerwachs? Wie ist die Treppe gemustert? Knarzt es, wenn mein Fuß aufsetzt?

Auch kann man Sinne kurzzeitig ausschalten, zum Beispiel die Augen schließen und nur auf die Geräusche um einen herum achten. Wenn man seine Sinne aktiviert, ist man sofort im Moment.

Emotionen wie eine Welle vorbeiziehen lassen

Femlife.de: Wie hilft Achtsamkeit beim Umgang mit unangenehmen Dingen?

Dr. Regine Erbach: Erst einmal geht es um die Akzeptanz, dass unangenehme Dinge Teil des Lebens sind. Natürlich versucht jeder von uns, diese Dinge lieber weg zu schieben und sich auf Angenehmes zu konzentrieren. Es kann auch helfen, diesen Dingen bewusst entgegenzutreten, und sich klar zu machen, dass unangenehme Gefühle kommen und gehen und nicht ewig dauern.

Im Buddhismus, aus dem das Konzept der Achtsamkeit ursprünglich stammt, entsteht Leid durch die Identifikation mit den Dingen. Die negativen Gefühle und Situationen sind wir aber nicht. Sie besuchen uns und ziehen weiter.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Sie möchten mehr über Regina Erbach und Ihre Methoden zur Stressbewältigung erfahren? Dann klicken Sie sich doch durch Ihre Website:

www.mbsr-muenchen-starnberg.de

12/09/2013 / Sophie Appl

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