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Wegweiser für Familie und Beruf

Viele Frauen und Männer stehen vor der Herausforderung, Job und Familie unter einen Hut zu bringen. Nicht nur Kinder sind ein Thema, sondern auch, wie Unternehmen Mitarbeiter bei der Pflege von Angehörigen in einer alternden Gesellschaft entlasten können.

Sabine Hofmeister coacht Frauen zu Beruf und Familie.Sabine Hofmeister coacht Frauen zu Beruf und Familie.

Wer wünscht sich kein Unternehmen, das individuell auf die eigenen familiären Bedürfnisse eingeht?

Die Münchner Organisationsentwicklerin Sabine Hofmeister berät Unternehmen zu Familienfreundlichkeit und coacht weibliche Fach- und Führungskräfte bei familiär bedingten Auszeiten. Im Interview verrät Sie uns, was ein familienfreundliches Unternehmen zu bieten hat und gibt Tipps, wie ein solches zu finden ist.

Familienfreundliche Firmenkultur schützt vor Burnout

Femlife.de: Frau Hofmeister, welche Vorteile bringt eine familienfreundliche Firmenkultur?

Sabine Hofmeister: Mitarbeiter und Unternehmen profitieren gegenseitig von einer familienfreundlichen Firmenkultur. Für Mitarbeiter lohnt es sich, in jeder Lebensphase in soziale Beziehungen zu investieren: das ist der beste Schutz gegen Burnout. Mitarbeiter, die sich entspannt um ihre Familie und Freunde kümmern können, sind konzentrierter und damit leistungsfähiger. Sie sind seltener krank, überlegen zweimal, ob sie das Unternehmen verlassen und haben mehr Spaß an der Arbeit.

Unternehmen gewinnen und binden gute Mitarbeiter durch familienfreundliche Angebote, verbessern dadurch Ihren Ruf und sparen Kosten bei Fehltagen und Personalsuche.

Flexible Arbeitszeitmodelle und Betriebskindergärten

Femlife.de: Was bieten familienfreundliche Unternehmen an?

Sabine Hofmeister: Das ist unterschiedlich. Wichtig ist, dass Familienfreundlichkeit alle Ebenen des Unternehmens durchzieht und auch Männer ermutigt werden, die Angebote zu nutzen.

Flexible Arbeitszeitmodelle und Arbeitsorte, Betriebskindergärten, Zuschüsse für Kindergärten und Pflege, eine Anlaufstelle für Pflegenotfälle sind einige Beispiele. Ich kenne einen Spielzeughersteller, der es einer Führungskraft mit schwer krankem Sohn ermöglicht hat, eine Auszeit zu nehmen, mit der Garantie, stufenweise wieder einzusteigen.

Sira München gewinnt mit betrieblicher Kinderbetreuung.Sira München gewinnt mit betrieblicher Kinderbetreuung.

Ein tolles Beispiel ist das soziale Unternehmen Sira Munich, die betriebliche Kinderbetreuung organisieren. Intern wird die familienfreundliche Kultur mit Teilzeitführung, Telearbeit und flexibler Projektarbeit gelebt.

Femlife.de: Wie findet man ein wirklich familienfreundliches Unternehmen?

Sabine Hofmeister: Unternehmen mit dem Zertifikat „Erfolgsfaktor Familie“ sind ein erster Ansatzpunkt. Auf Unternehmenswebseiten steht oft etwas zur Unternehmens- und Führungskultur und auch Bewertungen in sozialen Netzwerken können weiterhelfen. Am Besten findet man im persönlichen Gespräch mit der Personalabteilung heraus, ob individuelle, passgenaue Lösungen angeboten werden.

Familienfreundlichkeit hat sehr viel damit zu tun, dass sich Führungskräfte Zeit für Mitarbeiterkommunikation nehmen und auf die Bedürfnisse in den verschiedenen Lebensphasen eingehen. Kleine und mittelständische Unternehmen mit einer innovativen Unternehmenskultur haben hier oft viel zu bieten.

Femlife.de: Ist Führung auch in Teilzeit möglich?

Sabine Hofmeister: Ja, ist es in vielen Fällen. Als Mindestarbeitszeit für Führungsaufgaben haben sich 25 Stunden die Woche erwiesen, darunter wird es schwierig. Die Führungskraft sollte analysieren, wann was in welcher Dringlichkeit anfällt und welche Aufgaben andere Mitarbeiter übernehmen können.

Seinen Job mit jemand anderem zu teilen, ist auch eine Möglichkeit. Wichtig ist, dass man nicht in der „Teilzeitfalle“ hängen bleibt, wenn sich die familiären Bedingungen wieder ändern, und man auch wieder Stunden aufstocken kann. Und sich nicht selbst ausbeutet – also nicht noch bis spät in die Nacht arbeitet, wenn das Kind im Bett ist. Schließlich ist Familienarbeit auch harte Arbeit.

Ein Pilotprojekt starten – Im eigenen Unternehmen!

Femlife.de: Wie kann man ein Unternehmen für familienfreundliche Leistungen gewinnen?

Sabine Hofmeister: Zunächst einmal sollte man im eigenen Unternehmen angesehene Meinungsführer gewinnen, schrittweise ein Pilotprojekt starten und Erfolge im Unternehmen bekannt machen. Das kann allerdings Jahre dauern.

Prinzipiell ist es wichtig, den Nutzen für das Unternehmen klar darzustellen. Wichtig ist auch, dem Unternehmen eigene Flexibilität anzubieten, also sich auch bei Vertretungen zu melden oder einzuspringen, wenn kurzfristig Verstärkung benötigt wird.

Familienfreundliche Unternehmenspolitik funktioniert nur gut, wenn es ein Geben und Nehmen ist.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

Für mehr Informationen zu Sabine Hofmeister:  www.shofmeister.de;

Informationen zum Thema Erfolgsfaktor Familie finden Sie auch auf der Website des Bundesministeriums:  www.erfolgsfaktor-familie.de/

04/09/2013 / Sophie Appl

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