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Berliner Schwestern mit binooki auf Erfolgskurs

Immer weniger Menschen in Deutschland lesen Bücher, die Verlagsbranche ist in der Krise. In diesen Zeiten einen Verlag zu gründen erscheint auf den ersten Blick aberwitzig. Auf den zweiten Blick braucht man lediglich das richtige Rezept, gute Bücher, effektives Marketing und vor allem: Spaß an der verlegerischen Arbeit.

Diesen Grundsätzen sind die Berliner Schwestern Inci Bürhaniye und Selma Wels vor ziemlich genau zwei Jahren gefolgt und sind damit enorm erfolgreich. Schon drei Preise haben sie mit ihrem binooki-Verlag eingeheimst, darunter der renommierte Kurt-Wolff-Förderpreis. Über zweihundert Presseberichte über den Verlag und seine Bücher gab es, Veranstaltungen in ganz Deutschland und überschwängliches Lob von den Literaturkritikern für die inzwischen elf Bücher. Türkische Literatur auf Deutsch erscheint bei binooki, der Grund dafür ist simpel: Die Schwestern, deren Eltern aus der Türkei stammen, sind begeisterte Leserinnen und wollten nicht mehr darauf warten, dass irgendwann mal jemand sich aufrafft, den deutschsprachigen Lesern die Perlen der jüngeren türkischen Literatur zugänglich zu machen. Sie nahmen die Sache selbst in die Hand.

Türkische Literatur in deutscher Sprache

Den Schwestern ist es zu verdanken, dass zeitgenössische türkische Literatur auch in deutscher Sprache erscheint.

Mit ihrem ambitionierten Programm füllen die Schwestern eine Lücke und das kommt beim Publikum offensichtlich gut an. Ob moderne Klassiker wie Metin Eloglu und Oguz Atay oder junge Romanschriftsteller wie Emrah Serbes mit seinen Behzat C.-Krimis oder Alper Canigüz – sie zeigen eine andere Türkei jenseits aller Klischees, jenseits der platten Bilder, die die Massenmedien propagieren. „Wir machen nur Bücher, die wir selbst super finden“, erzählt Selma gut gelaunt. Binooki (eine Kombination aus dem Opernglas binokl und dem englischen book) ist anders, unkonventionell, was auch daran liegt, dass Selma und Inci sich nicht für den Literaturbetrieb verbiegen, sondern ganz sie selbst bleiben: locker und natürlich. Ihre Begeisterung ist ansteckend.

Selma hat BWL studiert, Inci ist Anwältin mit eigener Kanzlei in Berlin. „Das ist schon ein ziemlich guter Background für eine Unternehmensgründung, aber ins Verlagsgeschäft mussten wir uns erstmal einarbeiten. Vieles war Neuland, als wir angefangen haben“, sagt Selma. Vor allem mit unkonventionellen und originellen Mitteln in der Werbung versuchen sie, auf sich aufmerksam zu machen. Für die Aktion Berlin liest binooki, zu der sie Auszüge aus dem (großartigen, absolut lesenswerten) Roman Unsere große Verzweiflung von Baris Bicakci in ganz Berlin verteilten, erhielten sie prompt den Virenschleuder-Preis für kreatives Marketing.

Der erste türkische Fantasyroman

„Sowas ist eine tolle Bestätigung, das motiviert“, sagt Inci. Längst werden Ideen für zukünftige binooki-Aktionen gewälzt. Vielleicht zur im Herbst (pünktlich zur Buchmesse) anstehenden Veröffentlichung von Der Feigling und die Bestie – das ist das erste von vier Büchern der Legenden von Perg des Autors Baris Müstecaplioglu, der allerersten türkischen Fantasy-Saga überhaupt, die auch Fans von Tolkien und Co. gefallen dürfte. Emrah Serbes‘ unkonventioneller Kommissar Behzat C. aus Ankara ist in der Türkei längst Kult, ebenso wie die gleichnamige Fernsehserie.

Inci und Selma zeigen mit binooki deutlich, was das Erfolgsrezept für jedes junge Start-up ist: Gar nicht erst darauf schielen, was am Markt gerade gesucht sein könnte, wo das große Geld lauern, was dieser oder jener erwarten könnte (all das nutzlose Zeug also, das man in Gründerseminaren über sich ergehen lassen muss). Sondern sich einfach fragen: Was kann ich, was interessiert mich? Denn nur das kann man wirklich gut machen.

www.binooki.com

24/07/2013 / Gerrit Wustmann

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