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Jenny Thiele: Intelligenter Pop aus Köln

„Ich hab immer geschmunzelt über Lieder dieser Art. Wo irgendwer irgendwen ach so gerne hat …“ singt Jenny Thiele in ihrem Song Explosion. Das Augenzwinkern, das hier durchklingt, zieht sich durch ihr ganzes Album Haus (Hey Blau Records) – ihr Solo-Debüt, nachdem sie sich bereits als Teil des Duos Tom & Jenny einen Namen gemacht hat. Jenny Thiele, junge Musikerin aus Köln, macht intelligenten Pop weit abseits des immer gleichen Mainstream-Gedudels, mit hintersinnigen Texten und Melodien und Arrangements, die auch beim zehnten Hören noch neue Details offenbaren. Musik, die erfrischend anders ist. Hier und da hört man Vorbilder heraus, allen voran Björk, deren Hyperballad sich auch als Coverversion mit nachgedichteten deutschen Lyrics wiederfindet.

Gerade kommt Jenny Thiele von einer kleinen Tour in Skandinavien und Norddeutschland zurück. „Studioprozesse langweilen mich schnell. Ich finde zwar den Weg von der Idee zum fertigen Song immer wieder faszinierend, aber am wohlsten fühle ich mich definitiv vor Publikum“, sagt sie, und wer einmal erlebt hat, mit wie viel Hingabe und Energie sie ihre Gigs spielt, wie sie das Publikum mitreißt, der wird das sofort nachvollziehen können.

Melancholische Balladen & Klartext

Mal ruhig, mal energisch: Jenny Thiele experimentiert gerne.

Ob sanfte, melancholische Balladen oder eruptive, direkte Kracher wie Klartext, in dem sie unverhohlen sagt, was sie von Plastikpop und Fernsehtrash hält – Jenny Thiele überzeugt, weil sie echt ist, da ist nichts gespielt, nichts aufgesetzt oder affektiert, ganz im Gegenteil. Ehrlicher kann Pop kaum sein. Wenn Jenny Thiele singend eine Geschichte erzählt, hört man zu, automatisch. Haus ist keine dieser Scheiben, die man nebenbei hören kann. Man kann es versuchen, nur funktionieren wird es nicht. Diese Songs fordern Aufmerksamkeit und verdienen sie.

„Mein Werdegang ist recht klassisch“, erzählt sie, „als Kind hab ich auf Töpfe draufgehauen, später kam das Klavier und der Gesangsunterricht, und irgendwann war klar, wohin die Reise geht. Meine ersten eigenen Songs hab ich mit siebzehn geschrieben, auf Englisch, aber Deutsch ist eher mein Ding. Ich lasse mich von Melodien inspirieren und von Dingen, die ich im Alltag erlebe. Es fing an mit Hanne Hukkelberg aus Norwegen. Sowas will ich auch machen, dachte ich: schrägen Experimentalpop. Aber es ist ein stetiger Prozess, ich orientiere mich in viele Richtungen.“

Neues Album und Opernprojekt im Sommer

Das hört man. In einigen Songs scheinen sich viele Einflüsse und Richtungen zu manifestieren, experimentelle Passagen werden durch höchst melodische, zarte Refrains gebrochen, das inhaltliche Zwinkern setzt sich instrumental fort. Stellenweise denke ich auch an den US-Avantgarde-Gitarristen Buckethead, der immer wieder Ideen auf die Spitze treibt und sich ständig neu erfindet. Auch Bootsy Collins kommt mir in den Sinn. Die Lust am Spiel scheint sich bei Jenny Thiele aus ähnlichen Antrieben zu speisen. In manchen Melodien meine ich, Tori Amos herauszuhören.

„Meistens weiß ich schon im Ansatz, ob ich gerade an einem Solo-Song bastele oder ob das was für Tom & Jenny wird“, erzählt Jenny mit Hinblick auf das im Sommer erscheinende neue Album von Tom & Jenny unter dem Titel Chamäleon. Danach weilt sie für ein Opernprojekt einen Monat lang im dänischen Aarhus und geht danach auf Inspirationsreise nach Island.

Aktuelle Tourdaten gibt’s online auf Jenny Thieles Website und bei Facebook.

16/07/2013 / Gerrit Wustmann

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