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Zwei in einem Körper: Seelen

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust, die eine will sich von der andern trennen: die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andre hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen. (Goethe: Faust. Der Tragödie erster Teil.)

So oder zumindest so ähnlich geht es in Seelen zu, einem weiteren Erguss der Twilight-Autorin Stephenie Meyer, der es auf die Kinoleinwand geschafft hat. Doch tatsächlich dauert es bei Seelen ein ganzes Stück länger als bei Twilight, bis man müde lächelnd abwinken muss (Bei Twilight war es der glitzernde Vampir.). Denn die Grundidee von Seelen ist eigentlich ganz schön spannend: Mit der fast vollständigen Ausrottung der menschlichen Rasse ist die Erde ein friedlicher Planet, der wieder im biologischen Gleichgewicht ist. In den Supermärkten bezahlt man mit einem Lächeln, wer ein Auto braucht muss keinen GTA-Stunt abziehen, sondern einfach nur lieb fragen. Dafür befindet sich aber in fast allen menschlichen Körpern eine außerirdische „Seele“, die das Bewusstsein der Menschen im Normalfall vollkommen unterdrückt.

Als im Körper der von den Besatzern gefangen genommenen Rebellin Melanie (Saoirse Ronan) die Seele Wanderer einzieht, lässt sich Melanies Bewusstsein allerdings nicht unterkriegen und schafft es, Wanderer davon zu überzeugen, sich „mit ihr“ dem Widerstand anzuschließen. So weit, so gut. Doch dann verliebt sich die Seele Wanderer in Ian (Jake Abel), während Melanie noch Jared (Max Irons) liebt und Seelen verkommt zu einem peinlichen Liebesfilm, in dem Wanderer mal mit Ian, mal mit Jared knutscht, um eine Reaktion von Melanie zu provozieren.

Schließlich, als Wanderer sich schlussendlich tatsächlich wieder in die „Gefilde hoher Ahnen“ verabschieden und die Erde verlassen will, wird ihr (sein?) Wille missachtet und mit einer Art Happy End ist Seelen dann auch schon vorbei.

Das Fazit von Seelen

So interessant die Dystopie von Stephenie Meyer im Ansatz auch ist, eine echte Science-Fiction-Story will ihr damit trotzdem nicht gelingen. Dazu ist Seelen einfach nicht durchdacht genug. Wenn der Widerstand so findig ist, eine Felsenhöhle mit Spiegeln so auszuleuchten, dass unterirdischer Weizenanbau möglich ist, sollte man meinen die klugen Köpfe dieser Kommune hätten auch daran gedacht, einen Grundstock an Medizin in ihr Versteck zu schaffen. Ein Doktor, der Seelen aus Körpern entfernen aber keine einfache Schnittwunde behandeln kann? Da hätte man auch kreativer werden können, um Wanda (wie Wanderer jetzt genannt wird) wieder in die Welt der Seelen zurückzuschicken, als sie ein besseres Sprühpflaster besorgen zu lassen. Und dann ist da noch diese leidige Lovestory. Total unnötig. Angenehm überrascht jedoch Saoirse Ronan, die als Melanie / Wanderer mehr Emotionen zeigt als Kristen Stewart in allen Twilight-Filmen zusammen.

Zum Schluss noch die gute Nachricht: Bei Seelen handelt es sich nicht wie bei Twilight um eine Endlos-Saga, sondern nach 125 Minuten ist es wirklich endgültig vorbei. Und sooo schlimm war es dann auch nicht. Nur eben ein bisschen lächerlich.

06/06/2013 / Sigrun Weinhardt

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