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Auf einen Kaffee im Katifee

Es heißt ja immer, Rheinländer und Nordlichter, das sei wie Hund und Katze: komplett unterschiedliche Kulturen. Ich kann das nicht bestätigen. Als Kölner sind mir die Hamburger mit ihrer zurückhaltenden Art sogar meistens wesentlich sympathischer als der elaborierte kölsche Frohsinn, der einem auf Dauer auch ziemlich auf den Wecker gehen kann. Das ist aber längst nicht der einzige Grund dafür, dass es mich regelmäßig in den Norden verschlägt. Ich mag halt Wasser, und da hat der Rhein gegen Elbe und Alster keine Chance. Besonders jetzt, wo das Wetter nach dem langen düsteren Winter sich endlich wieder von der Sonnenseite zeigt, ist ein Sonntagsspaziergang an der Binnenalster oder den Landungsbrücken unbezahlbar.

Der Traum vom eigenen Café

Ein Traum wird wahr: Von ihrer Tante übernahm Kati das Café.

Nachmittags und abends streune ich dann gerne durch Altona oder sitze in der Sonne und trinke einen Kaffee. Bei einem dieser Spaziergänge fiel mit das Katifee ins Auge, nicht nur aufgrund des originellen Namens. Früher hieß das Café – kaum weniger originell – noch Elbtöchter. Im April 2012 wurde es nach einer kleinen Pause neu eröffnet; der Name ist der der Besitzerin Kati Winkler, die vorher als Ausstatterin im Filmbusiness gearbeitet hatte und sich damit den Traum ihres eigenen Kaffees erfüllt hat. „Ich habe es von meiner Tante übernommen“, sagt Kati lächelnd, und ihre Tante ist bis heute für den hausgemachten Kuchen nach alten Familienrezepten und neue Ideen zuständig.

„Ich habe es komplett renoviert und nach meinen Vorstellungen gestaltet. Ich mag es bunt“, erzählt Kati, während sie auf einem himmelblauen Stuhl sitzt, auf dem Tisch eine bunt gepunktete Serviette, auf den anderen Stühlen farbenfrohe Kissen. Ich werfe einen Blick auf die Karte. Es gibt frisch gepresste Obstsäfte, Kaffeespezialitäten, alkoholische Getränke; die unterschiedlichen Torten sehen verlockend aus, aber mir ist gerade eher nach etwas Deftigem. Ich ordere Chili con Carne, natürlich auch hausgemacht; im Sommer gibt es auch Antipasti. Am Tresen steht eine Schale mit frisch gebackenen Keksen. Auf dem Tisch ein Zimtstreuer. Vielleicht als Nachtisch doch noch ein Stück Kuchen?

Geöffnet von 9:37 bis 19:07 Uhr

Irgendwann wird jeder schwach: Kekse im Katifee.

Das Publikum ist gemischt: Ich sehe Mütter mit Kindern, junge Leute, zwei ältere Ehepaare, zwei Rentnerinnen beim Kaffee, alles wild gemischt, und doch passt das hier gut zusammen. Einige sind offenbar Stammgäste, Kati wirbelt zwischen den Tischen umher, nimmt sich aber auch immer wieder Zeit für einen kleinen Plausch. „Wenn jemand öfter hier ist, weiß ich genau, wer Süßstoff im Kaffee haben möchte, wer Milch, und wer ihn schwarz trinkt.“ Es ist hochgradig gemütlich, man will gar nicht mehr weg.

Geöffnet hat das Katifee von 9:37 bis 19:07 Uhr, abends kann es aber auch schon mal später werden. „Manchmal komme ich ein paar Minuten zu spät morgens, und manchmal kann es abends bei gutem Wetter auch mal später werden, ich nehme das nicht so genau. Die Öffnungszeiten sind eine grobe Richtlinie“, sagt Kati. Das gefällt mir. Es passt zum allgemein lockeren und sympathischen Stil. An den Wänden hängen Bilder. Werke von Künstlern aus Altona. Im Mai 2012 gab es mal eine Vernissage. Von den Künstlern habe ich noch nie gehört, aber ihre Arbeiten gefallen mir. Ich blinzle in die Sonne. Und bestelle nun doch noch einen Kuchen.

Katifee
Gaußstr. 10
22765 Hamburg

23/05/2013 / Gerrit Wustmann

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