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Was is(s)t ein Frutarier?

Der Frühling ist schon immer meine liebste Jahreszeit gewesen und ich hätte gerne jede Blume sofort gepflückt und mit nach Hause genommen. Doch meine Oma bestand darauf, dass ich nur die bereits abgeknickten Pflanzen mitnehmen durfte. War meine Oma Frutarierin?

Frutarier sind Menschen wie du und ich. Nur man wird ihnen zum Beispiel keine Karotten-Kartoffel-Ingwer-Suppe schmackhaft machen können. Denn nicht nur konsumiert ein Frutarier keine Tiere oder tierische Erzeugnisse, sondern auch nichts, was zum direkten Tod einer Pflanze führen würde.

Der Pazifist unter den Veganern

Während Veganer lediglich auf alle Produkte tierischen Ursprungs verzichten und oft auch Wolle und Leder meiden, essen Frutarier nur Nahrungsmittel, die nicht durch „Ermordung“ gewonnen werden. Stirbt die Pflanze bei der Ernte, kommt sie für einen Frutarier nicht infrage. Einfacher: Alles, was man von einer Pflanze pflücken kann, ist okay. Äpfel und Beeren, Nüsse, Samen, Tomaten, Kürbisse, Erbsen und Bohnen sind zum Beispiel vollkommen in Ordnung. Viele Frutarier formulieren es auch so, dass sie nur essen, was die Natur ihnen „freiwillig“ gibt. Isst man die Pflanze als ganzes, ist man schon ein … Mörder.

Das kommt nicht in die Jutetüte!

Auf Zwiebeln, Karotten, Kartoffeln, Blumenkohl, Spinat, Lauch und sogar Salat verzichtet ein Frutarier, denn dabei handelt es sich um Wurzel-, Knollen-, Blatt- oder Stängelteile und mit ihrem Verzehr findet auch die Pflanze ein Ende. Für Frutarier haben Pflanzen dieselbe Daseinsberechtigung wie Tiere und Menschen, sie wollen sie also nicht für sich sterben lassen. Das muss man sich erst einmal vorstellen …

Ob Getreideprodukte „erlaubt“ sind oder nicht, darüber sind sich nicht einmal die Frutarier ganz einig. Die Getreideesser führen an, dass eine Getreidepflanze nach dem Ausreifen der Samen sowieso von selbst wieder abstirbt. Und bevor der Samen ankeimt, kann auch noch kein neues Leben entstehen. Das hört sich ein bisschen nach Schwangerschaftsabbruch an und deswegen sind die fundamentalistischen Frutarier auch keine Getreideesser. Sie verabscheuen die Monokultur, die darauf ausgelegt ist, dass die Pflanze nach kurzer Zeit wieder abstirbt.

Was ein Frutarier essen darf – und was nicht

Streng genommen will ein Frutarier auch nicht auf einem Holzstuhl sitzen, wenn ein Baum für seine Anfertigung gefällt werden musste. Bei einem Stuhl hingegen, der aus einem umgestürzten Baum gemacht wurde, wäre das allerdings okay. Doch nicht nur die Möbel sind ein Problem. Durch eine Unterversorgung an Proteinen, Vitamin B12, Zink, Eisen, Calcium und Jod können verschiedene Mangelerscheinungen wie Müdigkeit, Gereiztheit und Kraftlosigkeit auftreten. Schwangeren, Leistungssportlern und Kindern wird generell von einer ausschließlich frutarischen Ernährung abgeraten. Wer eine Allergie gegen Nüsse, Fruchtzucker oder Soja hat, wird besonders als Frutarier stark herausgefordert.

Gibt es berühmte Frutarier?

Zu den berühmtesten Frutariern zählt sicherlich der 2011 verstorbene Apple-Mitgründer Steve Jobs, der sich in den 1970er Jahren eine Zeit lang frutarisch ernährt haben soll. Angeblich kam der millionenschwere Konzern so auch zu seinem Logo mit dem angebissenen Apfel. Dass ein heutiges Apple-Produkt aber durch und durch frutarisch ist, das bezweifeln wir mal.

Ashton Kutcher, der in jOBS den IT-Mogul spielt, soll sich für seine Rolle angeblich auch ein paar Wochen nur von Früchten und Nüssen ernährt haben. Mit dem Erfolg, dass er mit schlimmen Magenkrämpfen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Plasphemie wird eben vom Frutarismus bestraft.

Zurück zur Oma: Obwohl ein waschechter Frutarier normalerweise selbstverständlich keine Schnittblumen in seinem Wohnzimmer stehen hat, da das Abschneiden der Pflanze ja früher oder später zu ihrem direkten Tod führen würde (so wie die Geburt beim Menschen), wäre es ihm theoretisch trotzdem erlaubt, bereits abgeknickte Blumen im Sinne eines Gnadenhofs in einer Vase aufzunehmen und Sterbebegleitung zu leisten. Weil unter den von mir eingesammelten, bereits abgeknickten Blumen aber Bratkartoffeln zum Abendessen serviert wurden, weiß ich heute sicher: Oma war wohl doch keine Frutarierin. Zumindest keine strenge.

30/04/2013 / Sigrun Weinhardt

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