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Kulturcafé Chavis in Hamburg: St. Pauli mal anders

Gibt es noch echte Geheimtipps in St. Pauli? In diesem völlig überlaufenen Rotlicht-Stadtteil, den jeder Hamburg-Tourist gesehen haben muss, und der sich wie manche verruchte Ecke in Berlin auch langsam aber sicher zum Gentrifizierungs-Mekka wandelt? Ehrlich gesagt, ich hätte es nicht gedacht, bis mich ein Freund kürzlich einlud auf ein Treffen in einem „urgemütlichen kleinen Café mitten in Hamburg“, wie er sich ausdrückte. Er gab mir die Adresse, die mir erstmal nichts sagte. Als ich dann aber im Internet nach einer Wegbeschreibung schaute und eine Seitenstraße der Reeperbahn vorfand, stutzte ich doch einigermaßen. Aber man muss Vertrauen haben, also schlenderte ich am frühen Abend vorbei an Bars und Stripclubs und den ersten Partytouristen, vorbei am legendären Reeperbahn-Penny, vor dem sich wie üblich allerlei Angetrunkene tummelten, und dann rasch nach links in die Detlev-Bremer-Straße, in der man sich auf Anhieb fühlt wie in einer anderen Welt – zumindest nicht wie in einem Amüsierviertel, in dem bis zum Sonnenaufgang der Bär tobt.

Kultur & hausgemachte Speisen

Gemütliche Sitzecke im Chavis. An der Wand steht geschrieben: „Not so much singing songs, but simply making sounds.“

Ich finde ein Café, das ein paar Stufen unter der Gehwegebene liegt, in sanftem Dämmerlicht. Auf einer Tafel sind hausgemachte Speisen angeschlagen, sowie die Lesung, die später stattfinden soll. Keine grellen Farben, keine blinkenden Lichter, keine leicht bekleideten Frauen, keine Bühne für zweifelhafte Tänze. Ich reibe mir die Augen. Und trete ein.

Isabel Mierau, die das Chavis im März 2007 eröffnete, lächelt angesichts meiner Verwunderung. Reeperbahn-Publikum verirre sich tatsächlich nur sehr selten hierher, erzählt sie, „und wenn, dann sind die ganz schnell wieder weg, weil sie einfach etwas anderes erwarten.“ Natürlich, denke ich. In dieser Gegend. Aber genau deshalb ist das Chavis eine angenehme Ausnahme. Hier kann man gemütlich sitzen, etwas trinken, essen, sich unterhalten oder eben einer Lesung oder einem Musiker lauschen. Daher auch der Name „Kulturcafé“. Einmal im Monat organisiert der Hamburger Schriftsteller Peter Engel hier einen Literaturabend, auch der Bremer Sujet Verlag hat schon Werke vorgestellt. Musik gibt es meist von lokalen Singer-Songwritern. „Viel Jazz“, sagt Isabel Mierau. Und am Ende geht ein Hut rum. Alles sehr bescheiden und sympathisch. Den nächsten Auftritt bestreitet am 9. Mai 2013 die Kölner Popmusikerin Jenny Thiele.

Eine Oase auf der Reeperbahn

Auch die Kunstwerke an den Wänden gehören beim Chavis zum Konzept dazu. „Es war immer mein Traum, so ein Café zu eröffnen“, sagt die Besitzerin, „Kunst ist für mich etwas ganz Wichtiges.“ Und das in einer einladenden Wohnzimmer-Atmosphäre. Nachtschwärmer stehen allerdings vor verschlossenen Türen. Um 19 Uhr schließt das Chavis, nur bei Veranstaltungen hat es abends länger geöffnet. Ich trinke einen Tee, genieße eine angenehm würzige Kartoffelsuppe mit frischem Brot. Isabel Mierau kocht alles selbst, viele Speisen sind vegan, sie verwendet hauptsächlich Zutaten aus der Region und saisonales Gemüse, es gibt Suppen, kleine Snacks und Kuchen. Für private Feiern bietet sie sogar ein Buffet für bis zu vierzig Personen an.

Ein Kunde habe mal gesagt, erzählt sie, das Chavis sei wie eine Oase auf der Reeperbahn, ein Ort, an dem man sogar ungestört einfach ein Buch lesen kann. Das bringt es wunderbar auf den Punkt, finde ich und wende mich dann den Dichtern zu, die gerade beginnen, aus ihren Werken vorzutragen.

Chavis Kulturcafé
Detlev-Bremer-Str. 41
20359 Hamburg
www.chavis-kulturcafe.de

05/05/2013 / Gerrit Wustmann

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